Mein fremder Zwilling – Auftakt und Abschluss

Was verbindet Menschen, die zwar aus unterschiedlichen Teilen der Welt stammen, aber am gleichen Tag Geburtstag haben? Dieser Frage ging das Projekt „Mein fremder Zwilling“ nach, das am Sonntag im Café Mondial vorgestellt wurde. „Bei der Integration ist Empathie füreinander ganz wichtig, das Sich-Hineinversetzen-können in den anderen“, erläuterte Harald Kühl von den Regionauten die Grundidee, auf die das Zwillingsprojekt mit Einheimischen und Geflüchteten aufbaut. Zwei Zwillingspaare mit identischem Geburtstag und acht Jahreszwillingspaare konnten 2016 gefunden werden, die zu einem ersten Treffen eingeladen wurden. „Auf sprachliche Hürden waren wir vorbereitet und so lief das erste Kennenlernen vor allem über nonverbale Kommunikation“, erzählte Heinke Hartmann, die gemeinsam mit Hilde Schneider die Treffen begleitet hat. Unsicherheit, aber vor allem viel Herzlichkeit und eine große Neugier prägten die ersten Begegnungen. Hilde Schneider: „Wenn man sich verstehen will, entsteht eine besondere Form der Aufmerksamkeit, das war zu spüren.“

Erst im zweiten Treffen erfuhren die Teilnehmer dann, wer ihr Zwilling ist – und dass sich die jeweiligen Zukunftswünsche trotz verschiedener Lebensläufe gar nicht so stark voneinander unterscheiden: Familie haben, Führerschein machen und einen guten Beruf erlernen standen ganz oben auf der Wunschliste der jüngeren Zwillingspaare – ob nun in Konstanz, Mogadischu oder in Teheran geboren.

Aus dem Projekt ist eine Plakatkampagne mit Fotos und parallelen Lebensläufen entstanden, die auch in einer Broschüre und einem großen Buchband zusammengefasst wurden.

„Es ging im Projekt nicht darum, Freundschaften fürs Leben zu ermöglichen. Wir wollen dem Betrachter einen Denkanstoß geben: Wo ich geboren bin, ist purer Zufall – aber einer, der unser Leben entscheidend prägt“, so Harald Kühl.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis Ende des Monats im Café Mondial. Weitere Infos und eine kurze, aber spannende Filmdoku zum Projekt „Mein fremder Zwilling“ findet Ihr unter: www.mein-fremder-zwilling.de

Bilder: Andreas Sauer