Vortrag: Antifeminismus im Netz

100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts ist Antifeminismus
alles andere als Geschichte. Seit den 2010er Jahren haben
antifeministische Anfeindungen in Deutschland erneut Konjunktur. Die
Bedingungen scheinen günstig: Mit der AfD hat eine offen
antifeministische Partei den Weg in den Bundestag und sämtliche
Länderparlamente gefunden. Das Internet stellt ein neues Werkzeug dar,
um gezielt, unkompliziert und anonym Hetze gegen feministische
Aktivist*innen zu betreiben. Auch in den europäischen Nachbarländern
wird die Opposition gegen Feminismen lauter. Und so berichten
zivilgesellschaftliche Organisationen im Bereich der
Gleichstellungsarbeit und Vielfaltspädagogik, Anfeindungen ausgesetzt zu
sein, die sich in gelegentlichen Hasskommentaren bis hin zu
Diffamierungskampagnen entladen.

Für die betroffenen Organisationen ebenso wie für ihre Mitarbeitenden
gilt es, mit den Folgen der Angriffe umzugehen. Jedoch steckt die
Erforschung der Auswirkungen antifeministischer Anfeindungen auf
zivilgesellschaftliche Organisationen noch in ihren Anfängen. In der
Geschlechter- und Rechtsextremismusforschung bisher nur sporadisch
thematisiert, erfolgt eine systematischere Einordnung der Auswirkungen
von antifeministischen Angriffen durch bewegungsforschende Perspektiven.
Diese vermögen mit dem Konzept der „Gegen- bewegung“ Interdependenzen
zwischen feministischen und antifeministischen Akteur*innen zu
theoretisieren . Dabei fällt auf, dass die Analysen häufig in einer
kognitiv-zweckrationalen Subjektkonzeption verharren, während die
emotionale Situiertheit der Betroffenen selten explizit thematisiert
wird. Eine ausführlichere Analyse der Rolle von Emotionen erfolgt zwar
in Bezug auf feministische Netzaktivistinnen. Richten sich die Angriffe
jedoch nicht gegen Einzelpersonen, sondern gegen eine Organisation,
spielen Emotionen – falls überhaupt thematisiert – lediglich eine Rolle,
wenn sie die Organisationen in ihrem Arbeitsalltag einschränken. Eine
systematische Analyse der Rolle von Emotionen im Kontext
antifeministischer Anfeindungen gegen zivilgesellschaftliche
Organisationen findet nicht statt.