Markt der Möglichkeiten

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „„Ab heute anders! Vom schlechten Gegebenen und den Möglichkeiten, es zu ändern“ die vom 14.-25.01. im Bürgersaal stattfindet und von der Universität unter Federführung von Dr. Albert Kümmel-Schnur veranstaltet wird, findet am 19.01. ein Markt der Möglichkeiten statt. Dort stellen sich Initiativen aus Konstanz vor, welche sich für eine bessere Zukunft engagieren – auch wir sind mit einem Stand vertreten.Ausschreibung des Seminars unter Leitung von Dr. Albert Kümmel-Schnur:

Das Seminar diskutiert mit Betroffenen und Aktivisten die Möglichkeiten von Menschen in Berufen, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind oder anderweitig politisch vertreten werden, zur Artikulation und Durchsetzung ihrer Interessen. Das Seminar bleibt nicht unter sich, sondern öffnet sich allen, die mitreden möchten. Raumdominierender Hintergrund bietet ein 5 x 7 m großes Gemälde des Beuys-Schülers Felix Droeses aus dem Jahr 1999/2000: „CAIN (sie scheißen auf uns)“. Klassischer Widerstand ist in der Arbeitswelt gewerkschaftlich organisiert. „Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will“, so formuliert es der sozialistisch-revolutionäre Schriftsteller Georg Herwegh 1863 im Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. An der marktseitigen Außenwand des Bürgersaals am Konstanzer Stephansplatz erinnert ein farbiges Keramikrelief Johannes Grützkes an den badischen Aufstand der 25 Jahre zuvor von Herweghs Dichter- und Revolutionärskollegen Friedrich Hecker angeführt wurde. Man sagt, er habe am 12. April 1848 auf dem über dem Relief gelegenen Balkon gestanden, um seine Mitbürger zum Sturm gegen die großherzogliche Residenz in Karlsruhe aufzustacheln:

„Fürstenblut muss fließen Knüppelhageldick, Und daraus ersprießen Die freie Republik.“

2019: Die Fürsten haben längst abgedankt, die Republik ist realisiert, und dennoch fühlen sich viele der in ihr Lebenden unfrei. Sie sehen sich einem Räderwerk der Unterdrückung ausgesetzt, aus dem sie sich weder befreien noch dass sie es anhalten könnten. Dieses Räderwerk wird mit unterschiedlichen Begriffen belegt: Kapitalismus oder Turbokapitalismus, nennen es die einen, „das System“ oder „die Eliten“ andere, manche meinen „die Märkte“, andere wiederum die entfesselte Beschleunigung. Wie lebt es sich in dieser Gesellschaft? Genau das möchte dieses Seminar herausfinden, indem es mit denjenigen spricht, die keine Stimme oder keine Wahl haben oder zu haben scheinen: mit Verkäuferinnen und Hebammen, mit dem kreativen Prekariat der Digitalisierung und unentwegt unterbezahlten Kulturschaffenden. Mit Hartz IVlerInnen wie mit Postdocs, die von Zeitvertrag zu Zeitvertrag
hetzen. Was machen die, die nicht mehr mitmachen wollen? Bringen klassische Protestmethoden noch etwas – Demonstrationen, Sitzstreiks, Hausbesetzungen? Oder verlangen digitale Zeiten auch andere Methoden? Setzt man etwas durch mithilfe eines Flashmobs?

Und was sind die Alternativen zum schlechten Gegebenen? In einem Markt der Möglichkeiten (am 19. Januar) lernen wir Initiativen aus Konstanz zu Themen wie Arbeit, Verkehr, Umwelt, Gerechtigkeit etc. kennen.

Hier der Flyer zur Veranstaltungsreihe: Flyer_ab_heute_anders

Bild: ein Poster aus der „Sammlung attac Singen“ welche im Seminarzeitraum von Mo-Fr, 14-16 Uhr zu sehen sein werden.